7. Oktober 2016 || 11:35 Uhr

Was ist für dich ein gutes Leben?

Roland Düringer*) hat mich auf die Idee gebracht, mir diese Frage zu stellen und ehrliche Antworten darauf zu finden.

Eine einfache Frage, trotzdem erstaunte es mich, dass es sich für mich relativ schwierig gestaltete, diese Frage zu beantworten.

Nun sitze ich an meinem Lieblingsplatz, die Tasse Kaffee immer griffbereit vor mir stehend und die Packung Zigaretten samt Feuerzeug neben mir. Papier und Kugelschreiber warten schon darauf, dass ich meine Erkenntnisse auf besagtem Papier niederschreibe. Ich beginne zu überlegen.

Tausend Gedanken veranstalteten plötzlich wie aus dem Nichts eine Party in meinem Kopf und hatten ihren Spaß. Gemächlich ließ der Lärm nach und Erinnerungen aus meiner Kindheit und den nachfolgenden Jahren kamen mir ins Bewusstsein und langsam begann ich in die Vergangenheit zurückzugleiten, in meine Vergangenheit. Eine einzige Katastrophe würden heute noch viele Menschen meinen, doch im Nachhinein betrachtet, konnte mir nichts Besseres passieren.

Wie durch ein Wunder habe ich meine Kindheit überlebt. Selbstverständlich übernahm ich die Wertvorstellungen meiner Mutter, wie ein gutes Leben auszusehen hat, und von nun an versuchte ich mich an den Wertmaßstäben einer manipulierten und paralysierten Gesellschaft zu orientieren, um herauszufinden, wie ein perfektes Leben auszusehen hat. Die Frage wer und was ich bin, stellte sich damals nicht.

Wichtig war es, sich das Leben der höchst konservativen und kleinkarierten Mitbürger zum Vorbild zu nehmen, sich anzupassen und die gesellschaftlichen Normen und Werte in sein eigenes Leben zu integrieren. (Wer hat das schönste Auto, wer hat die Fenster am schönsten geputzt…?). Wer das nicht machte, galt als verrückt. Ich glaube, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Damit man als vollwertiges Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft anerkannt wurde, hatte man die Pflicht, nach Beenden der Ausbildung einen Beruf zu ergreifen, bis zur Pension zu schuften und dann möglichst rasch zu sterben.

Von mir wurde außerdem noch verlangt, einen gutaussehenden, wohlhabenden, gut verdienenden Mann zu heiraten, ein Haus zu bauen, eine Familie zu gründen und stolze Besitzerin eines Mercedes zu sein. Mehr bräuchte ich nicht zu meinem Glück! Enthusiastisch machte ich mich an die Arbeit, diese Vorgaben zu verwirklichen. In meinen kühnsten Träumen wagte ich mir nicht vorzustellen, dass alles anders kommen könnte. Tatsache ist: Es kam alles anders, als erdacht. Mein vorgestelltes „gutes Leben“ blieb ein geträumtes gutes Leben. Ich habe in fast allen Punkten meines Lebens versagt, wie mir später versichert wurde – was ich ohnehin selber schon längst wusste. Ich hatte NICHTS und trotzdem hatte ich plötzlich ALLES. Mir wurde mein Sohn geschenkt und ich lernte mich in mühevoller Arbeit selbst zu entdecken. Ich erkannte mein wahres ICH. Heute bin ich stärker denn je. Ich habe meine Standpunkte, vertrete meine eigene Meinung und habe beschlossen, abseits der sogenannten Normalität zu leben. Bei allem, was ich mache und nicht mache, ist es mir wichtig, einen Sinn dahinter zu erkennen, dann ist alles gut!

Ich habe beschlossen, nicht länger Sklavin einer alles manipulierenden und kontrollierenden Gruppe elitärer Soziopaten zu sein.

gutes-leben-klaudia-stibollaLangsam kehrt die Freude in mein Leben zurück und mit ihr die Erkenntnis, dass es für mein „gutes Leben“ nicht viel braucht.

Die Schönheit der Natur genießen, mich mit ihr verbinden, in ihr ein Wunder sehen, sie achten und Mutter Erde ehren, eine kleine kalte Schnauze an meiner Hand spüren, deren Besitzerin ihre Streicheleinheiten verlangt, das Schnurren der Katze wahrnehmen, das mich zu beruhigen vermag, die Musik leben, weil sie mein Lebenselixier ist, meine Kreativität neu entdecken und entfalten, eine Wohnmöglichkeit, in der man sich wohl und behütet fühlt, mich auf spiritueller Ebene weiterentwickeln, Probleme aus philosophischer Sicht betrachten und darüber diskutieren, wieder selbständig denken und selbstverantwortlich handeln, den eigenen individuellen Weg beschreiten und ihn auch gehen, in dem Vertrauen

„Alles ist gut“

Das ist mein „Gutes Leben“

Wie sieht dein gutes Leben aus??????

 

In Liebe k:st

 

*) Anmerkung der Redaktion: Roland Düringer ist ein österreichischer Kabarettist, Schriftsteller, Filmemacher, Schauspieler und Philosoph

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  • Wolfgang Sandmair says:

    Wunderbar aus meiner Seele geschrieben – DANKE – es gibt die ganzheitliche Verbindung !!! !! Ich spüre es intensiv wie AVATAR und teile das auch gerne öffentlich mit – denn wenn ich verbunden bin, sind es ALLE – nur sind sie alle noch GEBLENDET von Gelerntem, Gehörten und Vorschriften. …..♥Ganzheitlich♥UMDENKEN♥

  • hans:riedl says:

    Mein sorgenvoller Blick
    Als ich einmal nach rückwärts sah, dort wo ich gerade stand,
    das war auf meinem Weg, auf dreiviertel Strecke,
    wo ich mich nun befand.
    Hinter mir die Sintflut, so könnte ich erklären,
    wenn nicht auch gute Zeiten noch darunter wären.

    Dort sah ich ein Gebilde, das war gar übergroß.
    Ich konnt es nicht beschreiben, was war denn das nun blos?
    „Das sind die Sorgen“, sagt man mir, die dich jemals drückten.
    Die im Augenblick der Gegenwart so in die Ferne rückten.

    Jetzt wo ich sie wiedersehe, fällt mir ein,
    die sind noch gar nicht weit.
    Die greifen noch zu mir herüber, bis in die heutige Zeit.
    Der Sorgen hatt` ich allzu viele, hab ich mir selbst gemacht.
    Die werde ich bewältigen, hab ich mir oft gedacht.

    Viele Sorgen bringen kleine Kinder,
    meine sind es lang nicht mehr.
    Trotzdem kommt von ihnen, noch mancherlei Malheur.
    Da sagt man mir; „Die gehen dich nichts an“
    Das ist nur so dahingesagt, was ich nicht glauben kann.

    Jetzt schau ich mal nach vorne hin, die Zukunft ist noch offen.
    Für mich besteht die Zukunft, nur aus Sehnen und aus Hoffen.
    Dass mir die Sorgen nicht erwachsen,
    die hinter mir schon liegen.
    Dass ich die Zukunft nicht erleben muss,
    nur auf Brechen oder Biegen.

    Dass die jungen Menschen, an denen meine Wünsche hängen,
    mit solcher Vehemenz und Kraft, nach vorne hin sich drängen. 
    Dass man aus den Fehlern der Vergangenheit,
    nun endlich daraus lernt,
    dass von meinem Standpunkt,
    der einst noch weit liegt dort entfernt,
    dann meinen Blick ich rückwärts richte
    und voll Zuversicht ich sage:
    „Die Vergangenheit ist mir genehm, ich führe keine Klage“

    Dass die Zukunft mir Erfüllung bringt, das erkenne ich als Ziel.
    Doch in Anbetracht meiner Erfahrung
    verlange ich wohl viel zu viel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentar
Name*
Email*


Nutzung ausschließlich für den privaten Gebrauch. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht statthaft.