3. September 2016 || 10:59 Uhr

Sammelschrank

Was schart der leidenschaftliche Sammler und Connaisseur von alten, wertigen Dingen nicht alles um sich: Bierdeckel, antike Uhren, alte Autos und Motorräder, Prunktassen, Gemälde, alten Wein und Porzellangeschirr – die Liste könnte sich unendlich lange fortsetzen. Denn, es gibt fast nichts, was sich nicht als sammelwürdig deklarieren ließe.

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Das Schmuckstück in seiner ganzen Pracht mit all den sammelwürdigen Exponaten

Doch wo wird das ganze Sammelgut überall aufbewahrt? In Schuhschachteln – zweifelsohne die unerotischste Aufbewahrungsmöglichkeit – oder in Sammlervitrinen und Bilder natürlich, sofern es die Behausung zulässt, an den Wänden und bei den größeren Exponaten wie Automobilen und Motorrädern, in der Garage.

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Die Porzellan-Sammlung macht nicht nur optisch Freude und erfreut das Herz, sondern ist auch im Gebrauch

Eine weitaus stilvollere Aufbewahrungsmöglichkeit der zusammengetragenen Schätze ist natürlich ein gleichermaßen sammlungswürdiges Möbelstück. Wir entdeckten ein derartiges Mobiliar – mit wunderschönem Inhalt – bei einer Grazer Künstlerin. Der Jugendstilschrank, datiert von etwa 1910, der für sich betrachtet schon eine rare Antiquität ist. Ursprünglich als Geschirrschrank von einem begnadeten Schreiner – oder wie es in Österreich heißt: Tischler – konzipiert, befinden sich unten 2 Schubladen, in denen die gutbürgerliche Hausfrau das Sonntagsbesteck nebst Kleinutensilien unterzubringen vermochte. Es konnten sich zu der damaligen Zeit wohl nur gut situierte Menschen so ein Möbelstück leisten, das lässt zumindest die exzellente Verarbeitung des Schrankes vermuten. Die Laden lassen sich mittels wunderschön gefertigter Ösen herausziehen und der „Lauf“ der Schubladen lassen die brillante Fertigungsqualität ansatzweise erahnen. Die geschliffenen Glaseinsätze des Schrankes geben ihm ein wahrhaft wunderschön anzusehendes Antlitz. Ich wage einmal zu behaupten, dass es heute wahrscheinlich nur noch sehr wenige Handwerker gibt, die solch ein wunderbar geschliffenes Glas herstellen können – und wenn doch, dann wohl zu einem exorbitant hohen Preis. Das Möbelstück ist nicht zu hoch gearbeitet, so dass sich darauf noch das eine oder andere Prunkgefäß und andere Gegenstände dekorieren lassen, welche die Blicke auf sich ziehen.

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Zu einem Sammelschrank gehört auch ein geschliffenes Glas um die kostbaren Stücke, die darin verwahrt werden, einigermaßen vor Staub zu schützen

Heute bewahrt die Grazer Sammlerin in diesem Schrank wertvolles Geschirr auf, vorzugsweise der Marken Hutschenreuther, Baudour, Krautheim Adelberg und Kerzenleuchter von Gerold Tettau. Das Potzellan stammt aus den Jahren 1880 bis 1930. Selbstredend, dass auch das eine oder andere antiquarische Buch darin seine Verwahrung findet.

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Terrinen von Hutschenreuther Hohenberg. Verkauft wurden diese Stücke damals von F.A. Schuhmann, seines Zeichens Hoflieferant in Berlin

Der Jugendstil-Schrank an sich ist es schon wert, als singuläres Objekt in einem großzügig bemessenen Raum zu stehen, um die bewundernden Blicke der Betrachter auf sich zu ziehen. Denn solch ein Juwel verdient es, dass es die angemessene Würdigung und Aufmerksamkeit bekommt.

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Die Holzengel eines Bildhauers und diverse Glasobjekte zieren den oberen Schrankboden

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Über so etwas freut sich der Sammler: Messinggriffe

Schränke dieser Art gibt es noch in Antiquitäten-Geschäften und bei einschlägigen Auktionshäusern, wobei die schlichte Art dieses Geschirrschrankes eher rar anzutreffen ist -bei ihm wurde auf gute Funktionalität Wert gelegt, er war also nicht als Prunkschrank im Einsatz und so findet er bis heute praktische Verwendung. So ein Stück wird heute mit 1500 bis 2000 Euro gehandelt und es verliert wohl nie an Wert…

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Nicht nur Porzellan befindet sich in dem Sammelschrank, auch kostbare antike Bücher, wie hier von Peter Rosegger “Mein Weltleben” von 1902

 

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