3. September 2016 || 11:06 Uhr

Die neue Bescheidenheit

Was haben wir im Laufe unseres Lebens nicht alles zusammengetragen und gesammelt! Machen Sie mal eine Bestandsaufnahme – nehmen Sie alle Gegenstände in die Hand und fragen sich, wann habe ich dieses Stück das letzte Mal benutzt, betrachtet oder wahrgenommen? Was die weitere Frage aufwirft: Brauche ich das überhaupt noch?

Die Dinge, welche uns wirklich wichtig und wertvoll erscheinen, die sollten wir bei uns belassen. Denn sie sind ein Teil dessen, was unsere Freude und unser Glück erhält bzw. steigert und damit zu unserem allgemeinen Wohlbefinden beiträgt.

Ich möchte das an einem Beispiel illustrieren: In jüngerer Zeit erleben die sogenannten Tiny Homes einen regelrechten Boom. Das sind kleine Wohnbehausungen, welche auf ein Minimum reduziert sind und ihrem Besitzer oder ihrem Bewohner das Maximale an Komfort bis hin zum Luxusambiente bieten. Wenig Wohnraum für alle Bedürfnisse des täglichen Lebens – ohne auf die gewohnten Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, aber vom Raumangebot deutlich reduziert. Es ist schön, ein gigantisches Wohnzimmer sein Eigen nennen zu dürfen, in dem eine Ballgesellschaft ihrem Vergnügen nachgehen könnte, aber brauchen wir das wirklich? Benötigen wir überdimensionierte Behausungen, in denen man schon ein Navi braucht, um vom Schlafzimmer in den Spa-Bereich zu gelangen? Wohl kaum. Dieses Beispiel ist zwar übertrieben, es trifft jedoch den Nagel auf den Kopf. Bedenken sie die Unterhaltskosten, die ein großes Anwesen oder eine riesige Wohnung verschlingen. Setzen Sie sich einmal hin und holen Sie den Taschenrechner hervor – sie werden erstaunt sein und geradezu erschrecken.

Etwas Kleineres, draußen vor der Stadt, das wäre es. Zum einen ist es sehr viel preiswerter als ein City-Domizil – hat jedoch den Nachteil eines längeren Anfahrtsweges zur Arbeitsstätte. Hier gilt es abzuwägen. Der Supermarkt ist nicht um die Ecke? Auch wieder ein gern zitierter Nachteil, welcher auf einfache Art sogar in einen Vorteil gewandelt werden kann: Dann tätigen Sie nur einmal in der Woche einen Großeinkauf und sparen sich damit auch Zeit und Nerven – zumal in Deutschland alle Einkaufsmöglichkeiten in überschaubarer Zeit mit dem Auto erreichbar sind. Rechnen Sie dann einmal zusammen, wir lange Sie in der Stadt zu dem Supermarkt ihres Vertrauens fahren? Wie lange stehen Sie in irgendwelchen Staus oder vor roten Ampeln? Da haben sie locker und leicht schon 20 Kilometer über die Landstraße bewältigt.

Wir sollten uns auch einmal darüber bewusst werden, was wir wirklich wollen, wie wir glücklich werden und was wir dazu brauchen? Nämlich nicht viel. Nur ab und zu ein wenig Zeit und Stille, um darüber einmal nachzudenken. Das ist in unserer heutigen Zeit schwierig, wo wir in einer Event-Gesellschaft leben und permanent von irgendwoher dauerberieselt werden. Wir haben verlernt, bei uns zu sein und zu kontemplieren. Wir haben auch das Nichtstun verlernt und die Stille zu genießen. Wir wollen ständig was tun, von außen was erleben und buchen Urlaube, um entsprechende Anreize von einem Animateur auf dem anderen Teil der Erdhalbkugel zu bekommen. In Wahrheit braucht es keinen Animateur oder Coach – da reichen wir als Menschen völlig aus und ein Stück Natur; Ein schönes ruhiges Plätzchen vor der Haustüre gibt es vieler Orten auch – und das sogar zum Nulltarif.

Die heutige Gesellschaft lebt ein – mit substanzlosen Inhalten – übersättigtes Leben. Alles ist im Überfluss da und sofort erhältlich. Wenn eine Bestellung via Internetshop nicht gleich am nächsten Tag geliefert wird, bricht bei manchen Leuten schon Panik aus. Wir haben heute keine ZEIT mehr. Keine ZEIT: Wir sind getaktet vom Terminkalender – nicht eine Minute Auszeit. Ist das lebenswert? Ich finde nein.

„Ich nehme mir Zeit“ sagt man. Das heißt ganz klar, die Zeit ist immer da, man braucht sie sich nur zu nehmen! Für sich selbst und für die Familie, für die Freunde und für alles, was glücklich und zufrieden macht.

Uns sind einige grundlegenden Werte abhanden gekommen, besser gesagt aberzogen worden: Bescheidenheit, Demut und Respekt.

Warum muss ich in einem 100.000 € Dienstwagen fahren, um von einem Punkt A nach einem Punkt B zu kommen? Prestige, Ansehen, respekteinflößender Auftritt. Viele Menschen definieren sich über diese Äußerlichkeiten und nicht über sich selbst – obwohl der wahre Wert der Mensch an sich ist und nicht dessen, in Zahlen messbare, monetäres Vermögen. Das Gleiche gilt auch für die Wohnung, das Haus oder die Ferienresidenz. Es sind nur Äußerlichkeiten, um einen Schein von Wertvollsein nach außen darzustellen.

Wir machen uns in der heutigen Zeit alles untertan – eine falsch verstandene Verordnung, welche vielmehr heißen müsste: Übernimm die Verantwortung für dein Leben und die Erde! Hab´ Demut vor der Schöpfung – Demut, ein Begriff, der nicht mit Unterwürfigkeit gleichzusetzen ist, sondern mit dem respektvollen Umgang miteinander und mit unserer Natur in ihrer großartigen Vielfalt und mit ihren zahllosen Wundern. Das hat der Mensch anscheinend vergessen und es hat ihn alles eher als glücklich gemacht.

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Nehmen Sie sich Zeit um das Wunderbare der Natur mit allen Sinnen zu genießen. Sie können sich eine persönliche Auszeit überall nehmen, wo es schön ist

Die Gesellschaft bewegt sich jetzt langsam aber sicher immer mehr einem Punkt zu, wo sie die Übersättigung, den Stress und das von Geltungssucht getrieben sein – satt hat.

Das ist der Punkt, an dem wir uns bewusst machen sollten, uns auf wenige, wertige Dinge zu konzentrieren. Schluss mit dem Kauf von Gebrauchsgegenständen, die eine Haltbarkeit aufweisen, die kurz nach der Garantiezeit endet! Solide, lange haltbare, stabile und robuste Dinge sind jetzt gefragt, welche wirklich Freude im tägliche Gebrauch machen, ohne dass der Nutzer froh sein muss, dass sie überhaupt funktionieren.

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Das ist ein Sinnbild für unsere Wegwerfgesellschaft. Nach ein paar Jahren landet es dort, wo es die Hersteller sich wünschen. Um wieder ein neues Produkt zu kaufen. Nichts hält mehr ewig

Dies gilt natürlich für alle Gebrauchsgüter wie Kleidung, Schuhe und so vieles mehr.

Bei dem heutigen Verkehrsaufkommen erreichen sie mit einem kleinen Auto fast genauso schnell Ihr Ziel, wie mit einer monströsen Luxuskarosse. Die Zeitunterschiede sind marginal, sie bewegen sich oftmals nur im Minutenbereich und zudem entfallen die Panikattacken bei der Parkplatzsuche, wenn das Vehikel einen Meter kürzer ist. Der Verfasser dieser Zeilen kann ein leidvolles Lied davon singen. Wir sollten uns in dieser Zeit wieder auf das Wesentliche konzentrieren – es zu erkennen, erfordert Innenschau und Bewusstwerdung. Sind wir einmal ehrlich, wir haben ein gesättigtes Leben, welches uns immer mehr belastet und einengt…

Schauen Sie genau hin: Was hat mich gesellschaftlich geprägt, welche Werte habe ich von außen übernommen und was sind meine wahren Bedürfnisse? Kommt das, was ich glaube anstreben zu müssen, aus mir selbst heraus? Bin ich echt oder funktioniere ich in einer anerzogenen Rolle?

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Dasitzen und genießen. Die Ruhe und die Einsamkeit mit all der Schönheit

Schlichtheit, Einfachheit, Bescheidenheit – das sind die neuen Statussymbole. Es ist Luxus, sich einem reduzierten Lebensstil hinzugeben und ihn auch bewusst zu leben. Das schließt per se nicht aus, dass man auf gewohnte Luxusgüter verzichten muss. Es geht darum, sie bewusst einzusetzen und zu gebrauchen. Seiner Sammelleidenschaft selektiv zu frönen und meist mehr Freude daran zu haben, als wenn der Liebhaber und Connaisseur den Überblick über seine Exponate verloren hat. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, das darf nicht vergessen werden. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Mir scheint das permanente Streben, nur ja keinen Trend zu versäumen, fast wie der Johannistrieb.

Bescheidenheit ist der NEUE LIFESTYLE und wenn man sich dazu entschlossen hat, diesen Weg zu beschreiten, stärkt er auch das Selbstbewusstsein ungemein.

BEWUSST leben – das ist das neue Statussymbol.

Folgen Sie Ihrem Herzen.

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Oder machen Sie es einfach so, wie unsere liebsten Mitbewohner

2 Kommentare

  • hans:riedl says:

    Der Bauer und die Räuber
    Es lebte einst ein Bauer, der baute Kartoffeln an und Korn.
    Doch jedes Mal zur Erntezeit, war die Hälfte schon verlorn.
    Denn dann kamen Räuber aus dem Wald und nahmen sie ihm ab.
    Über lange Zeiten, Jahr für Jahr, sich selbiges begab.

    Der Bauer war verzweifelt, er hungerte dahin.
    Auch Frau und Kinder hatte er in seinem Hause drin.
    Die Not war eingezogen, seit dem die Räuber kamen
    und Kartoffeln, Korn und Fleisch, sich mit Gewalt stets nahmen.

    Ratlos war der Bauer und sah die Zeit mit Bangen,
    wo die Räuber wiederum nach seiner Ernte langen.
    Sein Weib riet ihm nun folgendes: „Mach einen hohen Zaun,
    schaff an den schärfsten Hund,
    dann kannst du leicht verteidigen, dein Haus und deinen Grund.

    Zur Not schaff eine Waffe an, denn Notwehr ist erlaubt.
    Die Wirkung wär entsprechender als mancher Räuber glaubt.
    Leg dich auf die Lauer, wenn sie wieder hier erscheinen.
    Die Räuber hätten leichtes Spiel, würden sie wohl meinen.

    Schieß dann einfach kreuz und quer, schieß sie übern Haufen.
    Dann könntest du auch sehen, wie sie sich im Wald verlaufen“.

    Der Bauer war ein Traumichnicht, er hatte keinen Mut.
    Er sprach zu seinem Weibe: „Das geht wohl niemals gut.
    Die sind doch in der Übermacht, ich bin allein, dagegen.
    Wenn ich die Räuber sehe, kann ich mich nicht bewegen.“

    So kam die Zeit der Ernte, die Räuber kamen wieder.
    Der Bauer hat sich nicht gewehrt, der Mann war viel zu bieder.
    Die Ernte weg, der Arbeit Lohn, der Hunger stand im Haus.
    Die Ernte, die so schwer erschuftet, ging in den Wald hinaus.

    So stell ich mir den Bauern vor, der schreit: „Mir geht’s nicht gut.“
    Der jammert wie am heißen Spieß, doch nichts dagegen tut.
    So ist das in der heutigen Zeit, die Räuber sind präsent.
    Sie nehmen was sie kriegen können, sie machen kaum ein End.

    Der Bauer starrt die Räuber an, wie das Kaninchen meist die Schlange.
    Mit seiner Gegenwehr, wartet er zu lange.
    Die Räuber sind gut aufgestellt, sie sitzen nicht im Wald.
    Sie sitzen in Bürogebäuden, in eines Beamten Drohgestalt.

    Die Zeit hat nichts verändert, der Bauer ist geduldig.
    Er glaubt noch immer, er sei den Räubern, die halbe Ernte schuldig.

  • christine says:

    Danke hans: riedl für die passenden Gedichte 😅

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