3. September 2016 || 11:05 Uhr

Überfülle oder Minimalismus?

„Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Diese Feststellung von Wilhelm Busch stammt aus dem Gedicht Niemals:

Wonach du sehnlich ausgeschaut,

es wurde dir beschieden.

Du triumphierst und jubelst laut;

Jetzt hab ich endlich Frieden!

 

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,

bezähme deine Zunge!

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,

kriegt augenblicklich Junge.

 

Unsere Ahnen streiften als Jäger und Sammler durch Wald und Flur – diese Verhaltensweise hat sich bis in die Jetztzeit herübergerettet, wenn es auch nicht mehr um das Überleben der Sippe geht, sondern um Befriedigung der uns innewohnenden Sehnsucht nach Erfüllung.

Beharrlich sind wir auf der Jagd und auf der Suche nach dem Objekt unserer Begierde und es stellt sich – zumindest kurzzeitig – ein Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit ein, wenn wir es erwerben konnten und in Händen halten. Das gute Stück wird dann auch sogleich in die schon bestehende Sammlung an Devotionalien integriert. Doch es währt nicht lange und schon ist der geneigte Jäger und Sammler wieder auf der Pirsch nach einem neuen, ihm sammelwürdig scheinenden Ding. Die Fülle an Gegenständen wird immer größer und die einzelnen Exponate, über die man sich so gefreut hat bei deren Erwerb, geraten bezüglich der Zuneigung ins Abseits und irgendwann aus dem Blick, da ja erst einmal die Neuerwerbungen im Fokus stehen.

Die Sammlung wächst und wächst, und der zur Verfügung stehende Platz wird demzufolge immer weniger. Dass die traute Hausgemeinschaft darunter gelegentlich zu leiden hat, ist meist unvermeidlich.

Es ist – man verzeihe mir jetzt diesen Ausdruck – wie eine Sucht: Das-haben-Wollen-und-Müssen. Und was das bedeutet, kann man in den einzelnen Internet-Publikationen nachlesen und für sich selbst kritisch bewerten.

Dann kommt irgendwann einmal Zeitpunkt, an dem man beim Erwerb eines Liebhaberstückes nicht mehr diese unendliche Freude und das tiefe Glücksgefühl empfindet, wie am Anfang der passionierten Einkaufstouren.

Ich kenne viele Sammler – und der Ehrlichkeit halber will ich erwähnen, dass auch ich einer war – denen erging es so oder so ähnlich, bis auch bei ihnen der Punkt erreicht war, an dem sie ihre Handlungsweisen kritisch hinterfragten und sie ihr Verhalten auf den Prüfstand stellten.

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Sammeln, eine Leidenschaft die auch “Leiden” “schafft”

Es ist zwar alles gut und schön, und der Sammler ist stolz auf seine Exponate, aber das Gefühl des Glücks gerät ob einer Überfülle nach und nach ins Hintertreffen.

Das Wichtigste wäre doch, dass die Objekte Freude bringen und den Besitzer glücklich machen!

 

Es sollte die Frage auftauchen, wann habe ich das Stück zum letzten Mal in Händen gehalten, es benutzt oder bewusst betrachtet – und das Allerwichtigste – mich wirklich daran erfreut? Brauche ich es nur, um es zu haben, oder fristet es sein Dasein als sprichwörtlicher Staubfänger, um den man sich von Zeit zu Zeit kümmern muss?

Ist es nicht ein Mehr, wenn sich der geneigte Jäger und Sammler mit ein paar wenigen, dafür kostbaren Preziosen begnügt, die vielleicht ein Maximum an Wertzuwachs bescheren – und was noch viel wichtiger ist und pekuniär nicht bezifferbar: „die Freude und das Glück“ darüber?

Denn manchmal ist das WENIGER – MEHR!

Wie auch schon Le Corbusier wusste…

1 Kommentar

  • hans:riedl says:

    Die Brüsseler Stadtmusikanten 693

    Es war einmal ein junger Mann, der taugte gar nicht viel.
    Er war kein Held in Uniform, schon gar nicht in Zivil.
    Da sprach er eines Tages, zu seinen Freunden keck:
    „Noch länger mich hier abzumühen, das hat wohl keinen Zweck.

    Ich gehe in die Politik, dort spiel ich die erste Geige.
    Ihr könnt mal sehen, wie ich in Brüssel, den anderen es zeige.“
    Der erste Freund sagte frohgemut: „Ich will dich nicht verlassen.
    Ich will nun mit dir gehen, die Trompete will ich blasen.“

    So zogen sie frühmorgens los, zum Stadttor flott hinaus,
    doch vorher stand der dritte Freund beim allerletzten Haus.
    „Wohin des Weges, meine Freunde, wohin in aller Welt?
    Ich würde gerne mit euch gehen, sofern es euch gefällt.“

    „Kumpel, häng dich an, an uns, wir haben keine Eile,
    denn dort, wohin wir gehen, herrscht meistens Langeweile.
    Wir lassen dort die Sau heraus, sicher ist uns Spaß.
    Nimm du auch noch ein Instrument, uns fehlt jetzt noch der Bass.“

    Da war der Dritte einverstanden, er zog nun auch von dannen
    und auf dem Weg zur Stadt hinaus, mit Musik sie gleich begannen.
    „Uns fehlt nur noch ein tiefer Ton, dann wären wir komplett.
    Eine Trommel und ein Mann, dann wär fertig das Quartett.“

    Sie spielten trotzdem voller Eifer, mit hops und bums trara.
    Nach einer kleinen Weile, war der vierte Freund auch da.
    „He Kumpel, hol dir eine Trommel, uns fehlt noch der gewisse Takt,
    denn ohne Trommelschläge klingt die Musik noch ziemlich nackt.“

    Der vierte Mann war ein Talent, schon war es auch geschehen.
    Eine Trommel hat er sich ergattert und zwar im Handumdrehen.
    „Wir sind die Brüsseler Stadtmusikanten, he Leute, wacht jetzt auf.
    Dass in der Stadt die Streitsucht herrscht, das nehmen wir in Kauf.

    He Freunde, jetzt geht die Fete los, mein Gott, du liebes Kind.
    Ich kann es kaum erwarten, bis wir in Brüssel sind.
    Dort leben wir in Saus und Braus, gesotten und paniert.
    Das nehmen wir den Räubern weg, die dort sind einquartiert.“

    Ja, Brüssel und die Stadtmusikanten, das ist die Realität.
    Es ist nicht so, wie dort in Bremen, wie es im Märchen steht.
    Die Vier sind losgezogen und spielen dort den Marsch.
    Das ist nun dort ganz ungewohnt, für manchen lahmen Arsch.

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